Über Freundschaften

by - Sonntag, Januar 16, 2022

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Freundschaften

Über die Jahre habe ich mehr und mehr gemerkt, auf welche Menschen ich mich verlassen kann und auf welche nicht. Ich habe immer mehr Kontakte "verloren" und mich von vielen Menschen distanzieren müssen, doch eigentlich ist dies kein Verlust, sondern eine hilfreiche Erkenntnis.
In der Schulzeit hatte ich meinen engen Freundeskreis. Wir haben uns jeden Tag in der Schule gesehen und auch außerhalb der Schulzeit Dinge unternommen. Doch nach dem Abi trennten sich all unsere Wege und ich versuchte immer wieder, die Kontakte und Freundschaften zu halten. Ich würde von mir behaupten, dass ich ein sehr fürsorglicher Mensch bin und ich zeige es, wenn andere Menschen mir wichtig sind. Ich meldete mich regelmäßig bei meiner Freundesgruppe und war diejenige, die Treffen organisierte. Doch ich habe immer häufiger gemerkt, dass ich die einzige war, die das tat. Ich habe viel Energie und Nerven in etwas hineingesteckt, das eigentlich zu Bruch ging. Es war für mich sehr schwer, das zu begreifen, doch nach langer Zeit akzeptierte ich, dass sich unsere Wege und Interessen so verändert haben, dass es nichts mehr bringt, an etwas festzuhalten, das nicht mehr da ist. Sobald ich das akzeptieren konnte, ging es mir besser, doch ich frage mich trotzdem noch, wieso es soweit kommen musste.
Ich frage mich oft, ob es an mir oder an den anderen liegt. Es gibt bestimmte Eigenschaften, die ich an anderen sehr schätze, weshalb ich diese auch selbst verkörpern möchte. Mir ist Zuverlässigkeit zum Beispiel sehr wichtig, weshalb ich mein Bestes gebe, um zuverlässig zu sein. Ich melde mich regelmäßig bei Menschen, die mir wichtig sind und zeige meine Unterstützung so gut es geht. Doch all dies zeigen diese Menschen mir gegenüber nicht. Deshalb frage ich mich oft, ob ich zu hohe Ansprüche und Erwartungen an andere habe und deshalb nur mit den wenigsten Menschen klarkomme. Doch andererseits hat es mich total genervt, jedes Mal hinzunehmen, wenn jemand eine Verabredung kurzfristig absagt oder regelmäßig zu spät kommt. Ich finde, man muss nicht alles tolerieren und meine Definition von einer Freundschaft ist sehr eng. Entweder muss ich Freundschaften lockerer sehen oder ich habe noch nicht die richtigen Menschen kennengelernt.
Immer wieder warte und hoffe ich, dass es nur genau daran liegt - dass ich noch nicht die richtigen Menschen in meinem Leben kennengelernt habe. Doch ich habe gemerkt, dass diese Menschen nicht einfach irgendwann kommen werden. Ich weiß, dass man viel für eine Beziehung tun muss - und damit meine ich Beziehungen jeder Art. Meiner Meinung nach tue ich aber viel, doch es kommt sehr wenig zurück. Für mich ist es keine richtige Freundschaft, wenn man sich nur ein oder zwei Mal im Jahr persönlich sieht und in der Zwischenzeit keinen richtigen Kontakt hat und auch nicht weiß, was im Leben dieser Person so abgeht. Aber selbst das versuche ich, lockerer zu sehen. Ich kenne Menschen, die sagen, dass sie einen Freund oder Freundin nicht regelmäßig sehen müssen, um ihn oder sie als Freund/Freundin zu bezeichnen. Meine Definition ist aber mal wieder eine andere. Ich teile unglaublich gerne schöne (oder auch schlechte) Ereignisse mit anderen und genau so freue ich mich, wenn andere diese Ereignisse mit mir teilen. Doch wenn dies nicht passiert, habe ich oft das Gefühl, die Person gar nicht richtig zu kennen. Für mich bedeutet Freundschaft auch, sich regelmäßig zu erkundigen, wie es der Person geht und einschätzen zu können, wie die Person in bestimmten Situationen handeln würde. Ich muss mich auf einen Freund oder Freundin einfach verlassen können.
Der Grund, wieso ich seit einigen Jahren meinen Geburtstag oder besondere Events nicht mehr feiere, ist genau dieser. Ich erinnere mich sehr oft daran, wie ich meinen Geburtstag mit Freunden feiern wollte, alles geplant habe und dann einer nach dem anderen abgesagt hat. Wenn ich Hilfe bei etwas brauche, muss ich beinahe betteln, damit mir jemand hilft, während andere nur eine kurze Nachricht an ihre Freunde schreiben müssen und die Hilfe von sich aus anbieten. Ständig Absagen zu erhalten, "geghostet" zu werden oder das Gefühl zu haben, die andere Person schätzt nicht, was ich alles für sie tue, verletzt mich sehr. Das führt dazu, dass ich den allermeisten Menschen nicht mehr vertrauen kann und sehr sehr lange brauche, um mich zu öffnen. Ich weiß, dass diese Verschlossenheit die Hürde ist, wieso es mir auch so schwerfällt, neue Kontakte zu knüpfen. Es ist ein ewiger Kreislauf.
Ich habe absolutes Verständnis dafür, dass jemand mal keine Zeit hat. Doch wenn es regelmäßig heißt "ich habe keine Zeit", habe ich ehrlich gesagt kein Verständnis mehr. Es geht letztendlich nie darum, wie viel Zeit die Person hat, sondern wie die Person ihre Prioritäten setzt. Jeder Mensch hat Zeit um zu essen oder zu schlafen. Das liegt natürlich einerseits daran, dass essen und schlafen ein natürliches Bedürfnis ist, aber auch daran, dass wir uns die Zeit nehmen, zu essen oder zu schlafen, wenn wir hungrig oder müde sind. Deshalb bedeutet diese Ausrede für mich einfach "ich möchte mir gerade nicht die Zeit für dich nehmen". Ich selbst erinnere mich nämlich nicht an eine Situation, in der ich jemandem wegen "Zeitmangel" abgesagt habe.
Freundschaften sind für mich ein Geben und Nehmen. Doch wenn einer alles gibt und der andere alles nimmt, entspricht das nicht meiner Definition. 

Sagt mir doch gerne, wie ihr dazu steht und wie ihr mit solchen Situationen umgeht. Ich bin nämlich immer noch dabei, das herauszufinden.

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3 Kommentare/ Read More

  1. Ich verstehe das ehrlich gesagt auch nie wenn Leute sagen, sie sind mit jemand eng befreundet, den sie 1-2x im Jahr sehen. Macht für mich wenig Sinn...

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  2. Danke dir, ich gebe zumindest mein bestes :).
    Das ist echt schade aber scheint heutzutage leider irgendwie die Norm zu sein... finde es aber schön dass du das ähnlich siehst wie ich und dich trotzdem bemühst, freundschaften aufrechtzuerhalten.

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  3. Du sprichst mir aus der Seele. Mein Mann hat mal gesagt: „Schatz du hast fast 25 Jahre auf mich gewartet, auch gute Freundinnen findet man nicht wie Sand am Meer.“ Eine gute Freundschaft aufzubauen und zu halten braucht Geduld und Arbeit.

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